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Lasertechnik revolutioniert Augenchirurgie nachhaltig

Rhein-Ruhr-Magazin, vom 08.12.2008

Immer wieder ist von geradezu sensationellen Fortschritten auf dem Gebiet der Augenchirurgie zu hören. Als Laie kann man nur staunen, was heute medizinisch alles machbar ist. Aber ist eine OP am Auge wirklich eine vergleichsweise so problemlose Angelegenheit?

Rhein-Ruhr-Magazin-Chefredakteur Dieter Knaut war bei einer Augenoperation anwesend, die am 30. Oktober 2008 in der Provisus Augenklinik Essen-Mitte durchgeführt wurde und sprach mit dem Chirurgen Dr. Gerl und der Patientin.

RRM: Herr Dr. Gerl, es ist jetzt 14:00 Uhr und nebenan wartet eine aller Wahrscheinlichkeit nach nervöse Patientin darauf, dass sie nach Jahren der Fehlsichtigkeit künftig auf Brille und Kontaktlinsen verzichten kann. In welchen Schritten läuft die OP jetzt ab - und wie lange wird sie dauern?

Dr. Gerl: Zur Vorbereitung auf die Operation erhält Frau Walter ein leichtes Beruhigungsmittel. Danach bekommt sie im Vorbereitungsraum eine OP-Haube und Überschuhe. Die Berührungsempfindlichkeit des Auges wird mit schmerzlindernden Augentropfen gemindert und die Augenlider desinfiziert. Mit dem Femtosekundenlaser wird das Flap (das Hornhautdeckelchen) berührungsfrei „geschnitten" zurückgeklappt und die darunter liegende Hornhaut modelliert und anschließend der Flap auf die behandelte Hornhaut zurückgelegt.

RRM: Das bedeutet um 14.20 Uhr ist soweit alles erledigt?
Dr. Gerl: Noch nicht ganz. Nach der Operation wird sich Frau Walter im Ruhebereich etwas ausruhen und gegen 15.00 Uhr werde ich noch einmal beide Augen gründlich untersuchen. Unter anderem ist zu prüfen, ob der Flap faltenfrei sitzt und die jetzt schon erreichte Sehschärfe zufriedenstellend ist.

RRM: Führen Sie mehrere dieser Operationen an einem Tag durch?

Dr. Gerl: In der Regel behandeln wir 8-10 Patienten an einem Laser-Operationstag.

RRM: In der Provisus Augenklinik Essen-Mitte verwenden Sie seit Anfang des Jahres den neuen Schwind Amaris Laser, den schnellsten Excimerlaser der Welt, mit dem Femtosekundenlaser kommt jetzt auch der zurzeit schnellste Femtosekundenlaser zum Einsatz. Was geschieht gleich genau - und wie viele Operationen haben Sie mit dieser Kombination bereits durchgeführt?

Dr. Gerl: Der Femto LDV kommt seit 6 Wochen bei uns zum Einsatz, ist also brandneu. Wir konnten inzwischen bei den ersten Patienten das Hornhautdeckelchen berührungsfrei „schneiden" und sind sehr zufrieden mit der Exaktheit der Schnitte bei unseren Patienten. Um die tiefer liegenden Hornhautschichten modellieren zu können, wird jetzt zuerst der Flap (Hornhautdeckelchen) mit dem Femtosekundenlaser präpariert und dann wie ein Buchdeckel zur Seite geklappt. Danach wird mit dem Excimerlaser die Hornhaut modelliert und der Flap wieder zurückgelegt. Der Flap saugt sich dann wie ein körpereigenes Pflaster auf der Hornhaut an. Durch die so geschützte Behandlungsfläche spürt der Patient keine Schmerzen.

RRM: Würden Sie von einem perfekt aufeinander abgestimmten Doppel sprechen?

Dr. Gerl: Ja. Der neue Femtosekundenlaser LDV der Firma Ziemer arbeitet mit einer Pulsrate im Megahertz-Bereich und ist zur Zeit der schnellste Femtolaser auf dem Markt. Daraus resultieren sehr kurze dichte Laserimpulse, die das Hornhautdeckelchen präzise und schonend von der darunterliegenden Hornhaut trennen. Der FEMTO LDV bildet mit dem Schwind Amaris, dem zur Zeit schnellsten Excimerlaser weltweit, eine optimierte Behandlungseinheit, welche zum einen eine extrem kurze Behandlungszeit erlaubt, zum anderen noch sicherer und schonender Fehlsichtigkeiten behandelt. Dadurch, dass der „Schnitt" absolut berührungsfrei durchgeführt wird, können auch keine Bakterien oder Fremdkörper in den Schnittbereich eindringen.

RRM: Bei welchen Arten von Fehlsichtigkeit werden diese neuartigen Lasertechniken eingesetzt?

Dr. Gerl: Wir können damit Kurzsichtigkeit bis -8 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis +4 Dioptrien und Hornhautverkrümmung bis 5 Dioptrien behandeln. Voraussetzung ist allerdings, dass die Lidspalte nicht zu eng ist und das Auge nicht zu tief in der Augenhöhle liegt.

RRM: Seit wann wird im medizinischen Alltag nach dieser Methode gearbeitet - und wie viele klinische Studien gingen voraus?

Dr. Gerl: Die Hornhautmodellierung mit einem Excimerlaser wird schon seit 1992 erfolgreich angewendet. Die ersten Klinischen Studien gab es bereits in den 60er Jahren. Die ersten Femtosekundenlaser, die ein Mirkokeratom zum Schneiden eines Flaps ersetzen, kamen vor ca. 2-3 Jahren in Deutschland auf den Markt. Anfangs war noch etwas Zurückhaltung angesagt, da die Behandlungszeit mit einem Femtosekundenlaser länger als mit einem schneidenden Mikrokeratom dauerte. Mittlerweile ist er präziser und schneller.

RRM: Und in welchen Fällen raten Sie doch eher dazu, bei der Brille oder Kontaktlinsen zu bleiben?

Dr. Gerl: Wer gut mit seiner Brille zurechtkommt und sich durch diese nicht sonderlich eingeschränkt fühlt, für den gibt es eigentlich keinen Grund, sich operieren zu lassen. Anders verhält es sich oft bei Kontaktlinsenträgern, da das dauerhafte Tragen über Jahre Schäden an der Hornhaut verursachen kann. Bei Kontaktlinsenunverträglichkeiten, Allergien und wiederkehrenden Entzündungen sollte über eine Behandlung nachgedacht werden. Junge Patienten unter 18 Jahren, bei denen meist die Brillenwerte noch nicht stabil sind und Patienten, die an einer rheumatischen Erkrankung leiden, sollten nicht behandelt werden.

RRM: Die Operation gerade ist erfolgreich verlaufen. Ist es denn denkbar, dass die Patientin in einigen Jahren wieder operiert werden muss?

Dr. Gerl: Ganz auszuschließen ist das nicht. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, dass, wenn die Werte in den letzten beiden Jahren stabil waren, also das Längenwachstum des Auges abgeschlossen war, ein Nachlasern nicht erforderlich ist. Empfohlen wird allerdings immer, die Augen, speziell die Netzhaut, mindestens einmal jährlich genau kontrollieren zu lassen. Ab dem 45. Lebensjahr werden auch die gelaserten Patienten, ebenso wie alle Normalsichtigen, eine Lesebrille brauchen. Da viele Menschen vielleicht nicht genau wissen, warum dies so ist, möchte ich dies noch kurz erläutern: Die menschliche Linse besteht aus einer in einer Kapsel befindlichen flexiblen Masse, welche in ihrer Form über Zonulafasern durch feinste Muskeln regulierbar ist. Durch einen langsamen Verhärtungsprozess wird die Linse mit zunehmendem Alter immer unelastischer, wodurch das Auge allmählich die Fähigkeit verliert, sich zu verformen (= akkommodieren). Man kann sich das so vorstellen, dass das Bild ähnlich wie mit dem Zoom einer Kamera zum Lesen scharf gestellt wird. Diese Fähigkeit des „Scharfstellens" nimmt durch die Verhärtung der Linse ab dem 45. Lebensjahr stetig ab und wir benötigen zum Lesen eine Lesebrille.

RRM: Wird in Zukunft beispielsweise auch die Behandlung von Altersweitsichtigkeit mittels Laser möglich sein?

Dr. Gerl: Leider gibt es zurzeit noch keine wirklich überzeugende Aussicht auf ein erfolgreiches Laserverfahren in dieser Richtung. Es laufen zwar weltweit verschiedene Studien, in denen versucht wird, eine Art Lesebrille in die Hornhaut zu lasern, diese Forschung steckt aber noch in den Kinderschuhen. Für Menschen mit Alterssichtigkeit, die gleichzeitig kurz- oder weitsichtig sind, gibt es aber die seit Jahren schon erfolgreiche Möglichkeit, beide Sehfehler gleichzeitig zu korrigieren, indem wir eine Multifokallinse (Mehrstärkenlinse) implantieren. Dieses Verfahren nennen wir in der Fachsprache „Prelex" und ähnelt technisch der weltweit millionenfach durchgeführten Operation des Grauen Stars. Die Oberfläche der Multifokallinsen weist konzentrische Ringe auf, die jeweils abwechselnd für die Fern- und Nahkorrektur zuständig sind. Für sehr kleine Schriften und die Zwischenentfernung, wie zum Beispiel beim Lesen am Computer, kann zusätzlich noch eine Lesebrille notwendig sein. Das Kontrastsehen bei Nacht ist etwas reduziert, weshalb diese Linsen zum Beispiel Berufskraftfahrern nicht empfohlen werden sollten. Für andere Personengruppen, wie zum Beispiel sportlich aktive Menschen, können diese Linsen einen echten Mehrwert an Lebensqualität bedeuten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Patientin eine halbe Stunde nach der Operation

RRM: Frau Walter, wie fühlen Sie sich jetzt so kurz nach der Operation?
Miriam Walter: ich fühle mich doch schon etwas mitgenommen. Immerhin war es ja auch ein Eingriff am Auge. Man könnte es mit einem sehr anstrengenden Arbeitstag vergleichen. Schmerzen habe ich allerdings keine.

RRM: Und was haben Sie von der OP mitbekommen?

Miriam Walter: Da ich nur eine Beruhigungstablette bekommen habe, habe ich alles von der OP mitbekommen.

RRM: Und in den letzten Tagen, gar keine Angst vor dem Eingriff gehabt?
Miriam Walter: In den letzten Tagen hatte ich keine Angst vor dem Eingriff, da ich ja genau wusste, was mich erwartet.

RRM: Weshalb haben Sie sich primär für den Eingriff entschlossen?

Miriam Walter: Ich wollte mich hauptsächlich in meiner Freizeit ohne Brille bewegen können. Gerade beim Sport ist die Brille doch sehr hinderlich. Und das Tragen von Kontaktlinsen ist auf die Dauer gesehen, aufgrund von Sauerstoffmangel, auch nicht optimal für das Auge.

RRM: Müssen Sie jetzt eigentlich für eine Nacht hier in der Provisus Augenklinik bleiben?

Miriam Walter: Nein, sobald die Nachkontrolle ca. eine Stunde nach der OP heute stattgefunden hat, kann ich wieder nach Hause fahren.
Vielen Dank für das Gespräch.

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